Der Rundfunk, respektive das Radio blickt in Deutschland auf eine Geschichte von rund 100 Jahren zurück. 1923 sendete zum Ersten Mal ein Sender von Berlin aus, nachdem zuvor schon in der Schweiz auf den Flugplätzen von Lausanne und Bern Radiosender entstanden waren. Auch in Österreich entstanden zur selben Zeit die ersten Radiosender. In Frankreich erfolgte die erste öffentliche Radiosendung am 24. Dezember 1921, vom Eiffelturm aus. Zuvor waren Radioübertragungen strikt militärischen Zwecken vorbehalten, auch wenn die Technologie schon seit 1905 verfügbar war.

Funk-Stunde

Der allererste Radiosender Deutschlands startete seinen Betrieb 1923 in Berlin. Die Funk-Stunde AG Berlin entstand in einer Zeit, in der Deutschland noch vom Ersten Weltkrieg her am wirtschaftlichen Abgrund stand. Die Pioniere des ersten deutschen Senders wurden bis 1934 durch treue Nationalsozialisten ersetzt und der Sender als Reichssender Berlin zu einem Instrument der nationalsozialistischen Propaganda umfunktioniert. Als Reichssender Berlin blieb der Sender noch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 aktiv.

Erstes Massenmedium

Anfang der 1930er-Jahre erkannte die damalige deutsche Regierung das Potenzial des Rundfunks und sah darin eine Gelegenheit, seine Ansichten auf effiziente Art und Weise seine Absichten und Handlungen mitteilen zu können. Gleichzeitig hatten auch die Nationalsozialisten schon das Radio für sich entdeckt und führten die noch in der Weimarer Republik getätigten Vorbereitungen fort. Es entstand ein Massenmedium, welches vom deutschen Regime ab 1933 auch bewusst als Propaganda-Maschine genutzt wurde. Durch die Produktion billiger Radiogeräte, dem “Volksempfänger”, konnte die Zuhörerzahl innert kurzer Zeit sehr markant ausgebaut werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Alliierten bemühten sich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ebenfalls darum, über Radiosender ihren Einfluss auf Nachkriegsdeutschland geltend zu machen. Von den jeweiligen Besatzungszonen aus verbreiteten sie ihre Inhalte über eigens dafür geschaffene Sender. Speziell in Berlin ging der Propagandakampf über die Radiofrequenzen noch lange weiter. Nach dem Untergang der DDR 1989 wurden die entsprechenden Ost-Sender abgeschaltet und durch neue Sender nach westlichem Modell ersetzt. Ganz Deutschland verfügt seither wieder über ein zusammenhängendes Radio-Netz.

Deutsches Radio heute

Die analogen Sender sind bis 2010 digitalen Sendeanlagen gewichen und die gesamte Infrastruktur entsprechend angepasst worden. Digitale Sender erlauben einen fast lückenlosen Empfang der Programme und sind im Gegensatz zu den bisher verwendeten analogen Anlagen wesentlich weniger anfällig auf Störungen. Die größte Reichweite aller deutschen Sender hat Radio NRW im bevölkerungsreichen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Ebenfalls zu den meistgehörten Programmen in Deutschland gehören der private Sender Antenne Bayern und der Südwestrundfunk (SWR).

Speziell das öffentlich-rechtliche Radio gilt als führend in gewissen Bereichen der Kulturförderung. So existieren in Deutschland bei den Radioinstitutionen 14 Orchester, acht Chöre und vier Big Bands. Die öffentlich-rechtlichen Radioinstitutionen Deutschlands sind so einer der größten Veranstalter von Konzerten. Ebenfalls von denselben Institutionen werden die Hörspiele und die Literatur in regionalen Sprachen und Mundart gefördert.